Cyril Mount ist gestorben.

Der Freund, Kollege und Mitstreiter von Anbeginn der Werkstatt fur Kunst und Therapie starb am 13. Februar 2013 im Alter von 92 Jahren. Wir vermissen einen au?ergewohnlichen Menschen, einen nahen Freund, einen erfahrenen Kunsttherapeuten und einen bemerkenswerten Kunstler. Sein Tod hinterlasst eine schmerzhafte Lucke in unserem Leben. Die Lebenserfahrung eines Menschen, der schon immer ein kompromissloser Beobachter und Aufruhrer war, hatte eine gro?e Bedeutung fur uns. Ob es politische Missstande waren, die er durch seine Bilder oder Aktionen anmahnte oder zwischenmenschliche Nahe und Lebendigkeit, die immer im Mittelpunkt seiner Arbeit und seines Lebens standen, er war dabei tiefgrundig menschlich und voller Liebe.Cyril Mount - Selbstportrait 1995

Seinen Erzahlungen uber seine Lebenserfahrungen zu lauschen war eine packende Reise durch das letzte Jahrhundert. Schon als Jugendlicher rebellierte er gegen die Lieblosigkeit und Enge seines Lebensumfeldes und reiste als blinder Passagier von seinem Heimatort Bristol nach Indien. Dort erlebte er den Beginn des 2. Weltkrieges, den er als Soldat auf den Schlachtfeldern Afrikas durchlebte. Dort begann seine lange Reise als Kunstler, malend in Schutzengraben und Artilleriefeuer. Bilder von Schrecken und Grauel und tiefer Menschlichkeit sind noch heute in Museen in London, Brighton, Bradford und Oradour-sur-Glane, Frankreich zu erleben. Wir haben einige der Werke Cyrils hier erganzt. Aber auch die heutige Politik und Gesellschaftsstrukturen waren Themen seiner Bilder. So legte er sich mit den Rechtsanwalten von Sony an und gewann diesen Disput und das Recht, seine anprangernden Bilder weiter offentlich auszustellen. Jedes menschliche Gefuhl hatte in seinen Werken einen Platz. So viele tiefe Gesprache uber so viele tief menschliche Themen beschaftigten uns, wenn wir uns wieder trafen. Einen Menschen wie Cyril alt werden zu sehen, war fur uns ein Vorbild an wacher Anteilnahme an sozialen Fragen, an Auseinandersetzung mit den eigenen seelischen Prozessen, an Liebe und Leidenschaft und immer wieder an kompromisslosem Handeln. Seine Bilder waren bis zuletzt ein Ausdruck dieser Anteilnahme. Wo er ging und stand fand sein kunstlerisches Auge Motive, die es festzuhalten galt. Mit ihm in einem Cafe zu sitzen, bedeutete Servietten oder Tischplatten mit Skizzen zu hinterlassen und oftmals irritierte Gaste, die portratiert wurden. Mit ihm durch eine Kunstausstellung zu gehen war ein Erlebnis. Jedes Kunstwerk wurde noch einmal durch seine Begeisterung zum Leben erweckt. Wer das Gluck hatte, Kunstseminare bei ihm mit zu erleben war begeistert von seiner Sicht auf die Farben der Welt. Was er vermittelte, war die pure Leidenschaft fur die Kunst. 

Viele Menschen haben durch ihn eine besondere Art des kunstlerischen Ausdrucks erlernt. Seine kunsttherapeutische Arbeit war beeindruckend. Die kunstlerische Sprache der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in seinen kunsttherapeutischen Seminaren hier oder in England erbluhte zu ausdrucksstarken Aussagen. Seine Erfahrungen mit therapeutischen Gruppen reichten zuruck bis in die 1960 er Jahre. Er lebte lange in Poona, Indien in Lebensgemeinschaften, die Selbsterfahrung und personliches Wachstum zum Zentrum ihres Lebens gemacht hatten. Cyril Mount blieb bis zu seinem Lebensende mit der Lebensart Indiens verbunden. Noch einige Wochen vor seinem Tod plante er mit 92 Jahren noch eine Reise nach Indien. Doch die Reise, die er stattdessen antrat, kam sehr plotzlich.

Nachdem er an einem Februar Wochenende noch mit Freunden auf einer Party gefeiert hatte, wurde er montags danach, Blut hustend, ins Krankenhaus eingeliefert. Zwei Tage spater, in der Nacht zum 13. Februar verstarb er, nachdem er sich noch von vielen Freunden und Familienangehorigen verabschieden konnte.

Wir vermissen einen nahen Freund und unvergesslichen Menschen!

Cyril Mount - Galerie ยป